Für wen ist Crowdfunding geeignet?

Por und Kontar ArgumenteAls eines der erfolgreichsten Crowdfunding-Projekte gilt die „Pebble“ Smartwatch, die am 11. April 2012 auf Kickstarter vorgestellt wurde. Sie dient als kabellose Verbindung zu iPhones und Android-Smartphones, um E-Mails, Termine und Social-Media-Updates anzuzeigen sowie Apps wie GPS und Wetterdienste zu nutzen.

Die „Pebble“ Crowdfunding-Kampagne war ein herausragender Erfolg: Mit ihrem Ende am 18. Mai 2012 hatten rund 70.000 Backer insgesamt 10.266.845 Mio. US-Dollar investiert; die erste Million allein in den ersten 28 Stunden.

Diverse Angebotsalternativen generierten so viele Vorbestellungen, dass die Nachfrage eindeutig war. Die Gründer hatten die Möglichkeit zur Produkterprobung, Tests ihrer Farbauswahl und zur Evaluation von Funktionen.

Für Pebble war Crowdfunding somit der beste Weg, der viele zusätzliche Vorteile barg. Wie erkennen Sie jedoch, ob Crowdfunding auch für Sie geeignet ist?

Die folgenden Punkte für und gegen den Start einer Crowdfunding-Kampagne sollen Ihnen helfen zu entscheiden, ob es für Sie und Ihr Unternehmen sinnvoll ist.

PRO Crowdfunding:

Zugriff auf Kapital

Für Firmen, die keine Finanzierung aus traditionellen Quellen wie Banken oder Business Angeln (kurz: BAs) erhalten, ist Crowdfunding eine gute Alternative. Die zur Verfügung gestellten Mittel schonen Ihr Stammkapital und dienen Start-up-Unternehmen als Startkapital, bevor sie Darlehen oder Fremdgelder in Betracht ziehen müssen.

Crowdfunding-Kampagnen nehmen zudem weniger Zeit in Anspruch als herkömmliches Fundraising. Üblicherweise sind sie auf eine Laufzeit von maximal 90 Tagen begrenzt. So sind langwierige Verhandlungen, wie sie oft mit Banken, BAs oder Venture-Capital-Gesellschaften und selbst Familienangehörigen anstehen, ausgeschlossen und Unternehmen erhalten schneller die benötigte Finanzierung.

Bestätigung von Firma und Produkt

Da meist Produkte als „Gegenleistungen“ angeboten werden, gibt es hinreichende Möglichkeiten zu zeigen, ob das Angebot für die anvisierte Zielgruppe interessant ist und die benötigte Zugkraft hat. Firmen können diesen Prozess beispielsweise nutzen, um Kundenmeinungen ins Produktdesign einfließen zu lassen. Solches Feedback ist Gold wert und spart Zeit und Geld im Entwicklungsprozess.

Aufbau eines Kundenstamms

Wenn Ihr Kundenstamm Ihr Produkt zum Megatrend machen kann, werden Ihre Kunden zur indirekten Verkaufswaffe. Unternehmer gewinnen zudem einen seltenen Einblick in das Kaufverhalten ihrer Kundschaft. Dies erlaubt es ihnen, überzeugende Verkaufstaktiken und effektive Strategien zur Kundenakquise zu entwickeln.

Innovatives Marketing

Crowdfunding zwingt Unternehmer zu einem organisierten und facettenreichen Marketing: Soziale Medien, Firmenwerbung, Kontaktpflege, Webseitenpräsenz, Videos, Firmenkommunikation und vieles mehr müssen perfekt sein. Botschaften müssen klar, prägnant und leicht verständlich sein, so dass die Zielgruppe den unmittelbaren Handlungsbedarf erfasst.

KONTRA Crowdfunding:

Alles oder Nichts

Bei der Planung einer Crowdfunding-Kampagne muss ein Fundraising-Ziel festgelegt werden – das heißt, wie viel Geld durch die Kampagne zusammenkommen soll. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn viele Crowdfunding-Plattformen geben eingegangene Beiträge nur dann frei, wenn 100 Prozent oder mehr des Finanzierungsziels erreicht sind. Gemäß dieser Voraussetzungen stehen Sie daher entweder vor dem „Alles“ oder „Nichts“. Wer sich das „Nichts“ und den Verlust an Zeit und Arbeitseinsatz nicht leisten kann, sollte von Crowdfunding Abstand nehmen.

Nicht für B2B-Produkte

Die meisten erfolgreichen Crowdfunding-Projekte sind vornehmlich in Business-to-Consumer-orientierten Bereichen angesiedelt sind und nicht im Business-to-Business-Sektor. Beim Crowdfunding geht es um den Einfluss der Menge und „die Menge“ steht für eine Ansammlung von Individuen, die aus Eigeninteresse handeln. Sie steuern zu einer Crowdfunding-Kampagne bei, da sie sie für cool, bedeutsam, wertvoll oder inspirierend halten. Dies steht in direktem Gegensatz zu einer Kollektion gleichgesinnter Unternehmen, die entgegengesetzte Geschäftsziele haben und unpersönlichere Motive vertreten.

Hoher Kapitalbedarf

Pebble landete einen Volltreffer, doch dies ist bei Weitem nicht die Norm. Crowdfunding ist für das Aufbringen von Startkapital ideal, das heißt, für Projekte, die in ein Anfangskapital von maximal 100.00 US-Dollar oder 80.000 Euro benötigen. Brauchen Sie mehr, sollten Sie Ihre Strategie überdenken und sich traditionelleren Quellen zuwenden.

Umständliche Forschung und Entwicklung

Fällt Ihre Firma in einen Bereich, in dem langatmige Forschungs- und Entwicklungszyklen an der Norm sind (d. h. Jahre, nicht Monate), ist Crowdfunding nicht für Sie geeignet. Backer wollen schnelle Resultate sehen und in absehbarer Zeit teil eines Erfolgsprojektes sein.